Höchster Berg Österreichs ganz nah

Im September 2021 haben wir eine Tour in die Steiermark sowie den nördlichen Teil von Südtirol unternommen. Unsere Fahrt von Schladming nach Toblach in Südtirol führte uns über die Großglockner Hochalpenstraße.

Diese 48 Km lange Strecke ist ein wahres Fahrerlebnis. Der erste Teil führt einen auf einer gut ausgebauten Straße stetig und bequem bergauf und man bekommt schon nach kurzer Fahrt die mächtige Bergkulisse mit den schneebedeckten Gipfeln zu sehen.

Die Straße wird dann immer kurviger mit zahlreichen Kehren, eine sehr schöne Serpentinenstrecke.

Wenn man dann das Fuscher Törl erreicht hat, erwartet einen eine Gedenkstätte zu Ehren der Erbauer dieser Hochalpenstraße und von hier aus präsentiert sich ein tolles Bergpanorama. Davor steht ein Straßenschild mit der Aufschrift "Ziel". Man könnte nun denken, dass man den höchsten Punkt dieser Passstraße erreicht hat, aber von wegen ...

Fährt man an dem großen Parkplatz des Restaurants Fuschertörl vorbei, dann stößt man danach auf eine schmale Kopfsteinpflasterstraße, die zur 2.571 Meter hohen Edelweißspitze führt.

Dieser Straßenabschnitt ist sehr eng und auch etwas abenteuerlich. Oben angekommen kämpft man hier um einen Parkplatz, denn die zur Verfügung stehende Fläche ist recht klein. In der urigen Edelweißhütte kann man sich stärken und nochmal vom höchsten Punkt dieser Passstraße das herrliche Bergpanorama genießen.

Nachdem man die enge kurvige Straße von der Edelweißspitze wieder hinunter gefahren ist, befindet man sich wieder auf der gut ausgebauten Hauptstraße.

Im weiteren Verlauf kommt man an der Fuscher Lacke, einem Bergsee, vorbei. Neben dem Gasthof weist hier ein Schild auf eine Mautstation hin. Dies scheint aber nur ein Überbleibsel oder Erinnerungsstück an alte Zeiten zu sein, als diese Straße noch nicht so sehr befahren war und die Abfertigungen der Kraftfahrzeuge noch gemütlicher vonstatten gingen, denn die eigentliche und riesig moderne Mautstelle hatten wir ja bereits zu Beginn unserer Fahrt in Ferleiten passiert..

Die Landschaft in diesem Streckenabschnitt unterscheidet sich deutlich von den bisherigen Regionen und dann geht es durch den Mittertörl- sowie Hochtortunnel über eine Art moosbewachsene Hochebene, bevor es danach wieder über Serpentinen hinab geht.

Nach wenigen Kilometern kommt dann das eigentliche Highlight dieser Alpentour.

Eine Abzweigung führt zur Kaiser Franz Josef Höhe, also zum eigentlichen, knapp 3.800 Meter hohen Großglockner. 8 Kilometer geht es wieder bergauf, vorbei am Margaritzen Speicher, einem großen Stausee mit kleiner Kapelle vor einem steil aufsteigenden Bergpanorama. Nur ein paar hundert Meter weiter liegt der Naßfeldspeicher und hier sollte man ruhig einen kurzen Halt einlegen. Ein bequem zu laufender Weg führt zu diesem See, in dem sich die moosbedeckten Berge und Wasserfälle spiegeln.

Und dann erreicht man den Endpunkt dieser Straße und hier scheinen sich alle Menschen und Autos gebündelt zu treffen. War die bisherige Fahrt eher beschaulich und ruhig, so findet man hier einen Menschentrubel vor.

Wir staunten nicht schlecht, hier in 2.369 Meter Höhe ein riesiges Parkhaus anzutreffen.

Vor diesem Parkhaus steht man dann auf einer großen Terrassenfläche und der Gletscher mit den umliegenden, massiven Bergen kommt zum Vorschein.

Mit einer antiken Gletscherbahn kann man in die Senke zum Gletschersee fahren, auf dem einzelne Eisbrocken schwimmen. Natürlich gibt es hier auch ein Restaurant, Souveniershop und eine interessante Ausstellung über die Gletscher- und Bergwelt. Weiterhin gibt es ein paar Wandermöglichkeiten, wie z.B. durch mehrere Fußgängertunnel entlang der steil abfallenden Felswand.

Das Schönste ist aber der Ausblick und diesen genießen die Menschen hier sichtlich.

Erschreckend anzusehen ist die Tatsache, dass die Erderwärmung die Gletscher immer weiter schrumpfen lässt. Diese Entwicklung wird hier sehr anschaulich auf Schautafeln dargestellt.

Insgesamt zog sich der Gletscher von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1952 um 800 m zurück. Von 1952 bis 2000, also in nur 48 Jahren, erfolgte ein Rückgang von nochmals 800 Metern. Von 2001 bis 2014, also in nur 14 Jahren, zog sich das Ende des Gletschers um weitere 722 m zurück, unglaublich schnell also. Wer weiß, ob man den Gletscher in ein paar Jahren überhaupt noch sehen kann ...

Es geht nun wieder zurück zur Hauptstraße und weiter nach Süden. Nach einigen Kilometern erreicht man den Ort Heiligenblut, der auch gewissermaßen das Ende dieser schönen Alpenstraße bildet.

Es ist ein touristisches Städtchen und bekannt durch seine Kirche, die sich vor der Bergkulisse majestätisch präsentiert. Direkt neben dieser Pfarrkirche befindet sich das Restaurant Casa Antica. Wir haben hier eine unglaublich gute Pizza gegessen und nochmal den Ausblick auf den Großglockner genossen.

Die Großglockner Hochalpenstraße sind wir Anfang September 2021 gefahren.